Schimmel in der Wohnung

Gibt es Schimmel in der Wohnung, so kommt es häufig zu Streit zwischen Mieter und Vermieter über die Frage, wer dafür verantwortlich ist.
Sobald eine gewisse Feuchtigkeit in der Wohnung vorhanden ist, sind die Voraussetzungen für die Entstehung von Schimmel günstig. In jeder Wohnung ist Luftfeuchtigkeit vorhanden. Sie entsteht durch Kochen, Duschen, Wäsche waschen, Zimmerpflanzen und nicht zuletzt durch den menschlichen Atem. Ein 4-Personen-Haushalt produziert pro Tag etwa 13 l Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf. Sobald nicht im nötigen Maße geheizt und gelüftet wird, oder bei nachteiligen baulichen Gegebenheiten der Wohnung kann es da schnell zu Schimmelbefall kommen.

Jeder Mieter hat die Pflicht, mit dem Mietobjekt sorgsam umzugehen und es vor Schaden zu bewahren. Hierzu gehört, die Wohnung richtig zu beheizen und zu lüften. So kann dem Mieter zugemutet werden, zweimal bis dreimal täglich die Wohnung gründlich zu lüften, und zwar als Stoßlüften, bei dem alle Fenster der Wohnung gleichzeitig weit geöffnet werden. Erweist sich dies als nicht ausreichend, und ist wegen des baulichen Zustands des Hauses oder der Wohnung ein solches Stoßlüften sehr viel öfter erforderlich, so verneint die Rechtsprechung die Zumutbarkeit für den Mieter. Es ist dann Sache des Vermieters, Sanierungsarbeiten durchzuführen, um den baulichen Zustand zu verbessern.

Kommt die Sache vor Gericht, so ist es zunächst Sache des Mieters zu beweisen, dass tatsächlich Schimmel in der Wohnung vorhanden ist. Gelingt ihm dieser Beweis, so ist es nun Sache des Vermieters zu beweisen, dass hierfür bauliche Ursachen ausscheiden. Da das Gericht über die nötige technische Sachkunde nicht selbst verfügt, beschließt es regelmäßig, ein Gutachten eines anerkannten Sachverständigen einzuholen. Hierzu muss der Vermieter einen Vorschuss für die zu erwartenden Kosten des Sachverständigen einzahlen. Das sind erfahrungsgemäß mindestens 2000 EUR. Wer diese Kosten schlussendlich zu zahlen hat, hängt nicht zuletzt auch vom Ergebnis des Sachverständigengutachtens ab. Verneint der Gutachter bauliche Ursachen für den Schimmelbefall, so werden den Mieter die Kosten treffen. Sehr häufig allerdings sehen die Sachverständigen Verursachungsanteile sowohl auf Mieter- wie auch auf Vermieterseite. Erst wenn der Vermieter sich wegen baulicher Ursachen für die Schimmelentstehung hat entlasten können, kommt es auf das richtige Heizen und Lüften durch den Mieter an.

Hat der Mieter seinen Vermieter auf Schimmel in der Wohnung hingewiesen und bleibt der Vermieter untätig (oder schickt nur den Maler, anstatt den Ursachen für den Schimmel auf den Grund zu gehen), greift der Mieter häufig zum Mittel der Mietminderung. Geht dann einige Zeit ins Land, so erreicht der Mietrückstand recht bald eine Höhe, die den Vermieter zum Ausspruch einer Kündigung veranlassen wird. Diese kann sich durchaus als wirksam erweisen, wenn sich später aus dem vom Gericht eingeholten Gutachten ergibt, dass der Vermieter nicht in der Verantwortung war und der Mieter, bevor er die Miete minderte, sich auch nicht um nähere Eingrenzung der Schimmelursachen gekümmert hat, etwa durch Einholung eines Privatgutachtens. Eine unbedachte Mietminderung kann also durchaus zum Verlust der Wohnung führen. Der Mieter, der seinen Vermieter zur Mängelbeseitigung veranlassen will, tut also unter Umständen gut daran, anstelle der Mietminderung den Vermieter auf Instandsetzung zu verklagen und in diesem Rahmen die Ursächlichkeit zu klären.